Vor knapp sechs Wochen bekam ich wieder einen kleinen Jährling zu Training, um sie in Halter – dem Schönheitswettbewerb für Pferde – zu showen. Die Kleine wurde am Telefon von der Besitzerin als wunderschön und korrekt in den Himmel gelobt. Aus dem Hänger stieg dagegen ein mageres, überbautes Etwas mit Ramsnase, Unterhals/ Hirschhals und leichten Stellungsfehlern an den Beinen. Zudem war die liebe Kleine zwar wie versprochen anhänglich, aber unerzogen und rüpelhaft und ohne jegliches Interesse an „Arbeit“.
In den darauffolgenden Wochen gab ich mein Bestes, wenigstens an dem Benehmen zu arbeiten; der Rest lag nicht in meiner Macht.
Gestern hieß es dann trotz allem: stylen, waschen, frisieren, Hufe lackieren, schminken, etc. und schließlich von oben bis unten einpacken. Gott, wie ich solche Prozeduren hasse, ziehe zottelige, mit Schlamm verkrustete Pferde solchen Püppchen vor! Aber sie stieg in den Hänger wie ein Profi und spazierte vor Ort entspannt in ihre Box und war selbst in der riesigen Reithalle der Anlage in Bökeberg total cool, während andere um uns herum galoppiert sind und ebenfalls noch trainiert haben.
Am nächsten Morgen verpasste ich ihr noch den letzten Feinschliff, obwohl es vergebene Liebesmüh war. Unsere einzige „Konkurrenz“ war einzig und allein für Halter-Klassen gezüchtet und dafür perfekt gebaut und aufgestylt, hat wahrscheinlich nie eine Wiese gesehen. Aus Turniersicht war das Unterfangen also von vorne herein zum Scheitern verurteilt.
Aber ich war trotzdem mehr als zufrieden, da die Kleine sich im Gegensatz zu der anderen tatsächlich vorbildlich benommen hat und sich nicht daran gestört hat, das andere um sie herum sprangen. Sie trabte entspannt neben mir her, stand perfekt still und war cool wie ein alter Turnierprofi. Jetzt ist sie wieder bei den zufriedenen Besitzern, die immer noch nicht verstehen, dass ihr Nachwuchs nicht ganz so perfekt ist, wie sie glauben.